Die Sprechstunden

Interview mit Dr. med. Henning Saupe, Medizinischer Direktor der Arcadia Praxisklinik zu Ernährung in der ganzheitlichen Krebstherapie

Jul 9, 2025 • 8 min read

In diesem ausführlichen Gespräch mit Dr. med. Henning Saupe, einem erfahrenen Experten für integrative Krebstherapien, erfahren Sie, welche Rolle die Ernährung in der ganzheitlichen Krebstherapie wirklich spielt. Basierend auf einem ganzheitlich komplementärmedizinischen Ansatz erläutert Dr. Saupe, wie Ernährung den Therapieerfolg beeinflusst, welche Diäten sinnvoll sind und wie individuelle Bedürfnisse berücksichtigt werden müssen. Dieses Interview ist ein Muss für alle, die sich mit Krebsprävention, Therapieunterstützung und gesunder Lebensweise beschäftigen möchten. QS24, das Schweizer Gesundheitsfernsehen, und die Plattform wikisana bieten damit wertvolle Einblicke in das komplexe Thema Ernährung und Krebs.

Inhaltsverzeichnis

Übergewicht als zentraler Risikofaktor in der Krebsprävention 🍎

Henning, was sind aus Deiner Sicht die größten ernährungsbedingten Herausforderungen in westlichen Gesellschaften, die Krebs begünstigen?

Das ist eine sehr wichtige Frage. In westlich industrialisierten Ländern wie Deutschland, der Schweiz, den USA und Zentraleuropa ist eines der größten Probleme das zunehmende Übergewicht. Es ist ein klar belegter Risikofaktor für zahlreiche Krebsarten – nicht nur Magen-Darm-Krebs, sondern besonders auch für Brustkrebs. In Mitteleuropa liegt die Übergewichtsrate bei über 30 Prozent, in einigen US-Ballungszentren sogar bei bis zu 70 Prozent der Bevölkerung. Das ist ein besorgniserregender Trend, dem wir mit gesunder Ernährung und Aufklärung entgegenwirken müssen.

Wie hängt Übergewicht konkret mit Krebs zusammen?

Übergewicht entsteht häufig durch eine kohlenhydratlastige Ernährung, die zu einer Überproduktion von Insulin führt. Insulin ist ein Hormon, das den Zellen signalisiert, Zucker aufzunehmen und als Energie zu nutzen. Wenn wir zu viele Kohlenhydrate essen, produziert die Bauchspeicheldrüse ständig Insulin, was Entzündungsprozesse im Körper verstärkt. Insulin wirkt proentzündlich und führt zu Insulinresistenz, wodurch der Körper immer mehr Insulin benötigt. Dieser Teufelskreis wird als metabolisches Syndrom bezeichnet und fördert die Entstehung von Übergewicht und chronischen Entzündungen – beides Risikofaktoren für Krebs.

Insulin ist zudem ein Wachstumshormon, das nicht nur gesunde Körperzellen, sondern auch Krebszellen stimuliert. Deshalb liegt ein Schwerpunkt bei der Krebsprävention und -therapie auf der Reduzierung der Kohlenhydrate und dem Erreichen eines gesunden Körpergewichts.

Kohlenhydrate reduzieren und Proteine priorisieren 🍗

Was bedeutet es konkret, die Kohlenhydrate zu reduzieren? Welche Ernährung empfiehlst Du Deinen Patienten?

Die typische westliche Ernährung ist zu kohlenhydratlastig. Wir essen oft viel Zucker, Weißmehlprodukte und Fertiggerichte, die den Blutzucker schnell ansteigen lassen und die Insulinproduktion anregen. Mein wichtigster Ratschlag ist, die Kohlenhydrate zu reduzieren und stattdessen protein- und fettreiche Kost zu bevorzugen. Proteine sind lebensnotwendig, denn es gibt 23 Aminosäuren, von denen einige essentiell sind – das heißt, sie müssen über die Nahrung aufgenommen werden, da unser Körper sie nicht selbst herstellen kann.

Im Gegensatz dazu sind Kohlenhydrate nicht essentiell. Unser Körper kann Energie auch aus anderen Quellen gewinnen. Proteine sind entscheidend für den Aufbau und die Reparatur von Gewebe, die Hormonproduktion und die Aktivierung des Immunsystems. Daher empfehle ich eine proteinreiche Ernährung mit hochwertigen, essentiellen Aminosäuren.

Wie sieht es mit der Verdauung und Aufnahme von Proteinen aus, gerade wenn das Darmmikrobiom gestört ist?

Viele Patienten haben eine verschobene Darmflora, was die Proteinverdauung erschwert. Ich empfehle deshalb enzymreiche Kost, um die Verstoffwechselung zu verbessern. Nahrungsmittel wie Ananas, Papaya und andere Südfrüchte enthalten natürliche Enzyme, die helfen, Proteine aufzuschließen. Zusätzlich können Enzympräparate eingenommen werden, um die Aufnahme der Aminosäuren zu optimieren.

Eine Analyse des Darmmikrobioms ist oft sinnvoll, um eine gezielte Therapie zu ermöglichen. Die Behandlung umfasst dann mehr pflanzenhaltige Kost, Ballaststoffe und enzymreiche Lebensmittel oder Nahrungsergänzungen, um die Darmflora zu regenerieren und die Nährstoffaufnahme zu verbessern.

Gesunde Fette und ihre Bedeutung in der Ernährung 🥑

Welche Rolle spielen Fette in der Ernährung von Krebspatienten?

Fette sind essenziell und sollten in der Ernährung nicht fehlen. Besonders wichtig sind die mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren, die schon in der Embryonalentwicklung eine entscheidende Rolle spielen. Das Ungeborene entzieht der Mutter viel Omega-3, und auch die Muttermilch enthält diese Fettsäuren in hoher Konzentration.

Leider sind Omega-3-Fettsäuren in der modernen Ernährung unterrepräsentiert. Nicht jeder hat Zugang zu frischen Meeresprodukten, die reich an Omega-3 sind. Pflanzen wie Algen oder Leinsamen enthalten Vorstufen dieser Fettsäuren, die unser Körper in der Leber aktivieren kann. Leinöl ist eine gute pflanzliche Alternative zu Fischöl, allerdings muss man größere Mengen davon zu sich nehmen, da die Umwandlung nicht bei jedem gleich gut funktioniert.

Auch mittelkettige Fettsäuren, wie sie im Kokosöl vorkommen, sind wichtig für die Darmgesundheit und sollten Bestandteil der täglichen Ernährung sein.

Was ist mit den schädlichen Fetten, die wir vermeiden sollten?

Industriell gehärtete Fette, wie sie in Fertigprodukten und Pommes frites vorkommen, sind gesundheitsschädlich und fördern Entzündungen. Diese Fette können vom Körper kaum abgebaut werden und belasten die Leber über lange Zeit. Deshalb rate ich dringend, solche Produkte zu meiden und auf hochwertige, natürliche Fettquellen zu setzen.

Diäten und Ernährungskonzepte bei Krebs: Was macht Sinn? 🥗

Gibt es Deiner Meinung nach eine spezielle Diät, die bei Krebs Sinn macht?

Das Thema Ernährung bei Krebs ist sehr komplex und kontrovers. Es gibt eine Vielzahl von Ernährungsformen, von Rohkost bis Ayurveda, und viele unterschiedliche Meinungen. Ich persönlich empfehle eine ausgewogene und vielfältige Ernährung, die auf den zwölf Vitalfeldern basiert, die ich in meinem Buch ausführlich beschreibe. Diese Ernährung sollte den Energiebedarf decken, antientzündlich wirken und viele biologische Stoffe enthalten.

Eine rein kohlenhydratlastige oder rein pflanzliche Rohkostdiät halte ich langfristig nicht für sinnvoll. Rohkost kann für eine kurze Zeit helfen, Entzündungen zu reduzieren und Gewicht zu verlieren, aber langfristig brauchen wir eine vielfältige Kost, die auch Proteine und gesunde Fette enthält. Wir sind von Natur aus Omnivoren, das heißt, wir sind an eine gemischte Ernährung angepasst.

Wie stehst Du zu Fasten und ketogener Ernährung bei Krebs?

Fasten kann kurzfristig Entzündungen reduzieren und die Leber produziert im Fastenzustand Ketone, die eine gewisse hemmende Wirkung auf Krebszellen haben können. Aber man darf nicht glauben, dass man Krebs durch Fasten aushungern kann. Gerade bei Krebspatienten, die oft unter Appetit- und Gewichtsverlust leiden, ist Vorsicht geboten, denn viele sterben an Unterernährung.

Die ketogene Ernährung, also eine sehr kohlenhydratarme, fettreiche Diät, hat in bestimmten Fällen, besonders bei Hirntumoren oder Gehirnmetastasen, einen guten Zusatznutzen. Hier profitieren Patienten von der veränderten Energieversorgung der Krebszellen. Für andere Krebsarten ist der Nutzen individuell zu prüfen. Wenn Patienten schon untergewichtig sind, kann die ketogene Ernährung problematisch sein, weil sie viel Fett und Proteine enthält, die nicht jeder gut verstoffwechseln kann.

Fasten und ketogene Ernährung in der Krebstherapie

Qualität vor Quantität: Fleisch, Milchprodukte und mehr 🍖🥛

Wie bewertest Du den Konsum von Fleisch und Milchprodukten bei Krebspatienten?

Ich rate speziell vom Schweinefleisch ab, weil es viel Arachidonsäure enthält, eine Fettsäure, die Entzündungen fördert. Zudem ist die Qualität von Schweinefleisch meist schlecht, oft belastet mit Antibiotika, Schadstoffen und Stresshormonen. Wenn Fleisch, dann sollte es von Tieren stammen, die ein würdiges, natürliches Leben geführt haben – beispielsweise Biohof, Weidehaltung oder Wild.

Rotes Fleisch an sich ist nicht grundsätzlich abzulehnen, aber die Menge macht den Unterschied. Große Portionen, wie sie oft in den USA serviert werden, fördern Entzündungen und können die Darmschleimhaut reizen, was mit einem erhöhten Darmkrebsrisiko korreliert. Moderater Konsum von hochwertigem Fleisch, etwa zweimal pro Woche, ist aus meiner Sicht vertretbar und kann sogar Eisenmangel vorbeugen, der ebenfalls ein Krebsrisikofaktor sein kann.

Wie sieht es mit Milchprodukten aus?

Fermentierte Milchprodukte wie Joghurt, Kefir und Quark sind gesundheitsfördernd und unterstützen die Darmflora sowie das Immunsystem. Die Qualität der Milch ist auch hier entscheidend. Hingegen rate ich vom Konsum größerer Mengen frischer Milch als Getränk ab, da diese möglicherweise entzündungsfördernd wirkt. Alternativ empfehle ich pflanzliche Milchprodukte wie Hafermilch, Mandelmilch oder Reismilch.

Käse betrachte ich als neutral, vorausgesetzt, er stammt aus guter Milchqualität. Auch hier gilt: Alles in Maßen, denn zu viel gereifter Käse kann zu Übersäuerung führen.

Genuss, Achtsamkeit und Individualität in der Ernährung 🍽️

Welche Rolle spielt Genuss beim Essen für Krebspatienten?

Genussvolles Essen und Achtsamkeit sind für mich zentrale Aspekte einer gesunden Ernährung. Essen sollte nicht unter Stress oder nebenbei am Handy stattfinden, sondern bewusst und mit Freude erlebt werden. Das gemeinsame Essen in sozialer Gemeinschaft stärkt nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch das Immunsystem.

Unser Organismus ist sehr anpassungsfähig und kann kleinere Fehler verzeihen, wenn wir insgesamt ausgewogen essen. Wichtig ist, dass Fehltritte nicht chronisch werden. So kann man auch mit einer Krebserkrankung gut umgehen, wenn man sich selbst mit Mitgefühl und Freude ernährt.

Was empfiehlst Du Menschen, die sich mit verschiedenen Ernährungskonzepten unsicher fühlen?

Jeder Mensch ist individuell. Es gibt nicht die eine perfekte Diät, die für alle passt. Deshalb ist eine individuelle Beratung wichtig, bei der der Ernährungsstatus analysiert wird, Mikronährstoffdefizite aufgedeckt und auch Umweltbelastungen berücksichtigt werden. Ich rate von extremen Diäten ab und befürworte eine modifizierte mediterrane Ernährung mit weniger Kohlenhydraten, angepasst an den Lebensstil.

Wichtig ist auch, dass man die Ernährung als Teil eines ganzheitlichen Vitalfeldes sieht, das viele Aspekte wie Bewegung, Stressmanagement und Schlaf einschließt.

Individuelle Ernährungsberatung bei Krebs

FAQ – Häufig gestellte Fragen zur Ernährung bei Krebs ❓

Ist eine ketogene Ernährung für alle Krebspatienten geeignet?

Nein, die ketogene Ernährung hat vor allem bei Hirntumoren oder Gehirnmetastasen einen zusätzlichen Nutzen. Bei anderen Krebsarten muss die Ernährung individuell angepasst werden. Patienten mit Untergewicht sollten vorsichtig sein, da die ketogene Ernährung viel Fett und Proteine enthält, die nicht jeder gut verträgt.

Kann man Krebs durch Fasten heilen?

Fasten kann Entzündungen reduzieren und den Stoffwechsel günstig beeinflussen, aber es ersetzt keine Krebsbehandlung. Fasten kann bei ausgewählten Patienten unterstützend wirken, aber man sollte auf keinen Fall die Gefahr der Unterernährung unterschätzen.

Welche Lebensmittel sollte ich bei Krebs unbedingt vermeiden?

Vermeiden Sie stark zuckerhaltige Lebensmittel, industriell gehärtete Fette, minderwertiges Schweinefleisch und stark verarbeitete Fertigprodukte. Diese fördern Entzündungen und können das Krebsrisiko erhöhen.

Wie wichtig ist die Qualität der Lebensmittel?

Die Qualität ist entscheidend. Bio-Produkte, artgerecht gehaltene Tiere und frische, unverarbeitete Lebensmittel sind die beste Basis für eine gesunde Ernährung und Krebstherapie.

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